Monatsarchiv: Juni 2012

Rückschau auf „Muschelstrand“

STILLE HÖREN 

„Haben Sie beim Lesen des Buches die Stille gehört ?“, mit dieser Frage eröffnete Petra Franek das Gespräch über das Buch „Muschelstrand“ von Marie Hermanson.

„Gelangweilt habe ich mich“, meinte eine äußerst belesene Teilnehmerin des Literaturkreises.

Das Buch, in „zwei Stränge gegliedert“, erzählt zum einen die Jugenderinnerungen von ULRIKA. Sie – mittlerweile eine Frau mittleren Alters, geschieden, zwei Kinder – befasst sich beruflich mit den Mythen der schwedischen Bergverschleppungen. Mit ihren beiden Buben besucht sie den Sommerferienort ihrer Jugend. Ihre Freundschaft zu Anne-Marie, der jüngsten Tochter der FAMILIE GUTTMANN wird geschildert. Guttmanns, ein prominentes, politisch linkes Journalistenehepaar mit vier Kindern. Deren offenes Haus, die dortige (künstlerische ? ) Atmossphäre faszinierten die Jugendliche Ulrika. Maja, das vierjährige indische Adoptivkind der Familie verschwindet plötzlich. Wochen später taucht das Mädchen unverletzt und ohne Erklärung wieder auf.

Der zweite Erzählstrang befasst sich mit der psychotischen KRISTINA und deren Beziehung zu MAJA. Die junge Frau führt mittlerweile ein Einsiedlerleben und scheint sich in dieser Isolation wohl zu fühlen. Die „Freundschaft“ zur autistischen Maja „lebt“ von deren beider „Liebe zur Natur und Stille“. Herrliche Naturbeschreibungen der schwedischen Schärenlandschaft erfreuten die Leser. Poetische Einfühlsamkeit „paart“ sich mit (kriminalistischer ?) Spannung.

Einige Teilnehmer schilderten ihre Eindrücke der schwedischen Mentalität: „Man“ lebe aufgrund der Landschaft eher zurückgezogen und auf die Familie fixiert. Aufgrund der langen Winter, in denen das Gemeinschaftsleben fehle, seien viele Schweden dem Alkohol – wie auch Herr Guttmann – zugetan.

War das lang- oder kurzweilig ? Oder: „Was will uns die Schriftstellerin damit sagen ?“, fragte eine andere Leserin.

Marie Hermanson, 1956 geboren, wuchs am Rande von Göteburg auf. Sie studierte Literaturwissenschaft und Soziologie. Neben ihrem Studium arbeitete die Autorin als Pflegekraft in einer psychiatrischen Klinik. Fließen ihre dortigen Erfahrungen auch in ihr Buch „Der Mann unter der Treppe“ ein ?

Nun: Die sechzehn Literaturkreisliebhaber drückten bisweilen engagiert ihre Leseeindrücke aus. Sogar das Thema „Übergewicht“ stand kurz zur Debatte.

Ein interessanter Abend. „… und alle Fragen offen“ (Marcel Reich-Ranicki)

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Vielen Dank allen literaturbegeisterten engagierten Teilnehmern für 1 Jahr gemeinsame Leseerfahrungen!
Foto: B. Franek

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