Monatsarchiv: Oktober 2012

Autorenlesung mit Christoph Koch: Sternhagelglücklich

Glück hat Konjunktur? Ja klar – immer her damit, wer braucht nicht noch eine Portion mehr davon.
 
Glücksbücher haben Konjunktur? Falls Sie diese Frage eher skeptisch mit „Was brauchen wir noch ein Glücksbuch?“ beantworten: Gerade Sie sind zur Autorenlesung mit Christoph Koch eingeladen!
Denn wie hat es der Autor selbst treffend auf seiner Homepage formuliert:
„…endlich ein Glücksbuch, für Leute, die Glücksbücher eigentlich doof finden.“ 
Hinzugefügt sei: Ein Glücksbuch mit pragmatischen, nachvollziehbaren Selbstversuchen. Kein trockenes Sachbuch, sondern vieles zum Schmunzeln – und dennoch mit Hintergrundinformationen zu diesem zeitlosen (keine Frage der Konjunktur!) Thema.
Zur Lesung am Freitag, 9. November, um 19.30 Uhr in der Stadtteilbücherei Göggingen melden Sie sich bitte telefonisch unter 0821 324-2728 an.
Abendkasse: 5,00 €
Neugierig auf das Buch? Mal reinlesen
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Rückschau: Adressat unbekannt

CHARAKTER UNBEKANNT
von Petra Franek

Buchvorschlag von: Frau Schöttler

„Adressat unbekannt“ – von Kressman Taylor aus dem Jahre 1938 – beschreibt die Korrespondenz zweier deutsch-amerikanischer Geschäftsleute am Anfang der NS-Herrschaft. In achtzehn Briefen und einem Telefgramm erzählt die fiktive Novelle die dramatische Entwicklung einer Freundschaft.

HANDLUNG
Max Eisenstein, der jüdische Geschäftsmann, und sein arischer Partner Martin Schulse besitzen zusammen eine gutgehende Kunstgalerie in San Francisco. Schulse siedelt im Jahre 1932 mit seiner Familie nach München über. Eisenstein führt die gemeinsame Kunstgalerie weiter. Schulses charakterlicher Wandel führt schließlich dazu, dass er sich von seinem jüdischen Freund distanziert.
Die neunzehn Briefe reflektieren persönliche und gesellschaftliche Konflikte: „Seit eurer Abreise fühle ich mich besonders an den Sonntagvormittagen einsam – ein armer Junggeselle ohne Ziel.“(Max Eisenstein an Martin Schulse, S.15). „Was konnte ich denn tun ? Da waren Elsa und meine kleinen Söhne. Es gab keine andere Möglichkeit.“(Martin Schulse an Max Eisenstein, wg. der Affäre mit dessen Schwester Griselle, S.22) „Kann ich es wirklich riskieren, festgenommen zu werden und alles zu verlieren, was ich hier aufgebaut habe, weil ich einer Jüdin Unterschlupf gewähre ?“ (Martin Schulse an Max Eisenstein S.46, mit „Jüdin“ ist seine ehemalige Geliebte Griselle gemeint)

Rege äußerten die 10 Literaturkreisteilnehmer ihre unterschiedlichen LESEEINDRÜCKE:

„Dachte erst: `Nicht schon wieder Nationalsozialismus !` Ich werde nun das Buch weiter empfehlen !“

„Bin begeistert!“

“ Ein Buch, dass nicht nur die Brutalität der Nationalsozialisten in den Mittelpunkt stellt.“

„Ahistorisch.“ Die Gegebenheiten und gesellschaftlichen Entwicklungen aus den Jahren 1938ff werden in die Jahre 1933/34 vorgezogen.

„A la einer Hollywoodsoap !“

„War die Freundschaft der beiden Männer letztendlich nicht einfach eine lukrative Beziehung mit gegenseitiger Symphatie ?

AUTORIN
Die nordamerikanische Schriftstellerin wurde 1903 in Portland/Oregon geboren und verstarb 1996. Sie arbeitete als Werbetexterin und Journalistin. Die dreifache Mutter entdeckte Briefe, die sie zu dieser Briefnovelle inspirierten.

NOVELLE
„Adressat unbekannt“ weist einige typische Merkmale der Novelle (lateinisch novus „neu“, italienisch novella „Neugigkeit“) auf:
– Kurzerzählung einer Neuigkeit in Prosaform (40 Seiten)
– real, vorstellbares Ereignis, welches auf einem zentralen Konflikt beruht
– straffe, einsträngige Handlung
– pointiertes Herausarbeiten eines Wende- bzw. Höhepunktes – diese Wende innerhalb des geschilderten Zeitraums von nur 2 Jahren kam vielen allerdings unrealistisch und zu kurz vor.

RESÜMEE
Ein Jude „schlägt zurück“. Wahrlich ein neuer Aspekt.
Und immer wieder die Trauer beim Lesen über das faschistische Deutschland.

„Ein jeder ist schuldig“, schreibt die „Weiße Rose“ auf einem ihrer Flugblätter. Und: „(…) selbst mit einzugreifen in das Rad der Geschichte (…)“, wie bespielsweise die deutschen Geschwister Scholl. Sophie Scholl wurde dafür als 21-jährige mit ihrem Bruder Hans und deren Freund Christoph Probst 1943 im Münchner Gefängnis Stadelheim geköpft.
Wahrlich: Menschen mit Charakter.

 

Literaturempfehlungen zum Thema:

Götz, Aly: Warum die Deutschen ? Warum die Juden ? Gleichheit, Neid und Rassenhass 1800-1933. Frankfurt am Main 2012
Goldhagen, Daniel Jonah: Hitlers willige Vollstrecker. Ganz gewöhnliche Deutsche und der Holocaus. Berlin 1996
Vinke, Hermann: Das kurze Leben der Sophie Scholl. Ravensburger Buchverlag 1986
Feuchtwanger, Leon: Die Geschwister Oppermann [die ersten beiden Auflagen des Romans erschienen 1933 und 1935 unter dem Titel Die Geschwister Oppenheim]

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