Monatsarchiv: Dezember 2012

Rückschau: The Help / Gute Geister

Kathryn Stockett wollte ein Buch schreiben, dass die farbigen Hausangestellten selbst zu Wort kommen lässt, statt in freundlicher Herablassung von ihnen zu berichten.  Das ideale Vorgehen vertritt ihrer Heldin Skeeter, die journalistisch geschult, den schwarzen Hausangestellten hilft, ihre persönlichen Erfahrung zu Papier zu bringen. Wie Stockett bei ihrem eigenen Buch methodisch vorgeht, lässt sich aber auch ihrem Nachwort nicht klar entnehmen: viel weißes Wohlwollen steckt jedenfalls immer noch im Bild der durch die Bank herzensguten, tapferen farbigen Frauen. Dabei ist ein unterhaltsames und anregendes Buch entstanden. Der Kontrast der Sprache zwischen Herrschaft und Personal bleibt bei der Übersetzung erhalten und macht es zu einer lebendigen Lektüre, wie Leserinnen anmerkten. 

Schauplatz ist die Stadt Jackson im extrem konservativen US-Staat Mississippi, in den frühen 1960iger Jahren, noch geprägt durch die Regeln der strikten Rassentrennung. Die Haushalte der städtisch Oberschicht zeigen hier eindrucksvoll die grotesken Konsequenzen der Rassentrennung. Die Hausangestellte, die die Kinder aufzieht, die Laken wechselt und die Unterwäsche wäscht, darf nicht die gleiche Toilette wie die Hausfrau benützen. Diese Spielregeln werden von den Arbeitgeberinnen meist gedankenlos hingenommen. 

Nun aber werden sie in Frage gestellt durch die zunehmende Unruhe der Bürgerrechtsbewegung und durch kritische oder ahnungslose Außenseiter. Stockett zeigt die beginnende gesellschaftliche Veränderung an der Reaktion junger Frauen aus den besten Kreisen Jacksons. Hilly, die konventionellste der Damen bekämpft rigoros jeden Angriff auf ihr Weltbild. Ihre unerschütterliche Selbstgerechtigkeit entbehrt nicht der Komik. Sie verweigert den Kindern der Hausangestellten finanzielle Hilfe und engagiert sich gleichzeitig als Wohltäterin für die armen Kinder in Afrika. 

Die freundlich naive Celia ( Marilyn Monroe lässt grüßen) heiratet einen der begehrtesten Junggesellen der Stadt. Sie kommt aus so kleinen Verhältnissen, dass ihr gesellschaftliche Spielregeln und der Umgang mit farbige Hauspersonal völlig fremd sind. Von den etablierten Damenzirkeln wird sie dafür gnadenlos gemobbt; in ihrer zutraulichen Distanzlosigkeit verunsichert sie gleichzeitig ihre Hausgehilfin Minnie. 

Hillys langjährige Freundin Skeeter ist durch ihre intellektuellen Ambitionen eine Außenseiterin. Sie wird aufgeschreckt durch das zunächst unerklärte Verschwinden ihrer Kinderfrau, ihrer engsten Vertrauten. Ihr Blick auf die herrschenden Verhältnisse wird zunehmend kritischer und entfremdet sie mehr und mehr ihren gesellschaftlichen Kreisen. Das Buchprojekt, das sie zusammen mit den Hausangestellten Aibileen und Minnie in dauernder Gefahr von rassistischen Angriffen vollendet, wird letztlich für alle drei ein Aufbruch zu neuen Lebensverhältnissen. 

Die Kritik eines Lesers, die Handlung des Buchs sei längst überholt, musste in der Diskussion leider widerlegt werden. Rassendiskriminierung und Ausbeutung von Hauspersonal ist auch heute noch ein aktuelles Thema und das nicht nur in den USA.

Literaturtipp zum Thema:
Die Farbe Lila von Alice Walker

Christine Andrä

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Für Zwischendurch…

…oder für diesen seltsamen Zeitraum, genannt Zwischen den Jahren. Bei dieser Gelegenheit: Ein schönes Weihnachtsfest und alles Gute für 2013 wünscht das Team Literaturkreis Göggingen!

Für Zwischendurch gibt es neue Bücher von Autoren, deren Titel wir in den vergangenen Monaten besprochen haben. Keine Fortsetzungen sind zu vermelden, aber doch ähnliche Themen (wieder) zu entdecken, deshalb gilt: Weiter lesen lohnt sich!

melandri hermanson

Eva Melandri: Über Meereshöhe
Die Autorin von „Eva schläft“ beschäftigt sich wieder mit dem Thema Terrorismus in Italien. Es geht auf die ganz persönliche Ebene eines Vaters, der seinen Sohn, den Schwerverbrecher, trotz allem liebt. Er besucht diesen auf einer Gefängnisinsel und begegnet dort einer Frau, die ihren dort ebenfalls eingesperrten Mann aufsucht. Er, gebildet, sie, die einfache Bauersfrau, sind sie durch dieses Schicksal und durch einen Sturm, der sie auf der Insel festhält, an einem Wendepunkt ihres Lebens angelangt. Dieses Buch können Sie in der Stadtteilbücherei ausleihen
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Marie Hermanson: Himmelstal
Spielte „Muschelstrand“ im Norden und am Meer, so geht es nun in die Schweizer Bergwelt. Allerdings in ein Tal, das sich als Schauplatz für mystische Verschleppungen ebenfalls sehr eignen würde…
Daniel und Max sind Zwillinge, aber von Charakter grundverschieden. Sie wurden als Kinder getrennt. Jetzt besucht Daniel aus Schweden Max in einer Klinik im „Himmelstal“ in der Schweiz. Doch dort sind nicht nur das Klinikpersonal, sondern auch die Einwohner im benachbarten Dorf und nicht zuletzt Max selbst äußerst seltsam. Trotzdem lässt sich Daniel auf einen Rollentausch ein und der Roman entwickelt sich zum sehr spannenden Thriller. Dieses Buch können Sie in der Stadtteilbücherei ausleihen sowie als ebook in der eAusleihe .
Wem „Ich.darf.nicht.schlafen“ von Steven J. Watson gefallen hat (das wir nicht im Literaturkreis vorgestellt hatten), der wird auch hier kaum Lesepausen einlegen und weiter lesen und lesen…
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Januar-März in der Übersicht

tellkamptanwaberer

10. Januar Keto von Waberer, Seltsame Vögel fliegen vorbei

14. Februar Uwe Tellkamp, Der Turm

14. März Amy Tan, Der Geist der Madame Chen

Außerdem wurde ein wie das Buch von Amy Tan ebenfalls in Burma spielender Titel empfohlen:

Jan-Philipp Sendker: Das Herzenhören

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Vorschau auf Januar 2013

waberer Der Literaturkreis startet am Donnerstag, den 10. Januar, ins neue Jahr. Wir werfen einen Blick in die Kindheit der Autorin Keto von Waberer, ins Augsburg der 50er, 60er Jahre im bürgerlichen Milieu – auch wenn das Wort Augsburg im gesamten Buch „Seltsame Vögel fliegen vorbei“ nicht explizit fällt.

 

 

Weitere Infos:
Rezension auf perlentaucher.de
Artikel in der Augsburger Allgemeinen
Podcast vom Bayerischen Fernsehen

 

 

 

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