Monatsarchiv: Mai 2013

Für Zwischendurch: „Tage in Burma“

OrwellGeorge Orwell, Tage in Burma

Lange vor dem „Geist der Madame Chen“ samt seiner amerikanischen Reisegefährten, war George Orwell schon in Burma.

Er diente in den 1920iger Jahre dort bei der Indian Imperial Police und entwickelte eine kritische Haltung zum britischen Kolonialismus, die er 1934 in seinem Roman veröffentlichte. Seine Beschreibung von Land und Leuten aber gilt bis heute als zeitlos gültig.

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Rückschau: Uwe Tellkamp, Der Turm

Meno Rohde, der Inbegriff des Bildungsbürgers, ist schon beim Frühstück in der Lage zu dichten – ein Preislied auf die sächsische Semmel. Unsere Mitleserin Angelika Felber hat nun das Werk nach allen Regeln der philologischen Kunst entschlüsselt und als klassische Ode identifiziert, ein vergnüglicher Gegensatz zum recht banalen Objekt der Dichtung. Sie beweist damit, dass nicht nur Meno gewandt mit den klassischen Versmaßen umgehen kann.

Tellkamps parodistisches Spiel mit der antiken Ode oder:
„Die Ode an die Semmel“

aus: Uwe Tellkamp, Der Turm, S.90f.

„Dich, o vollblütige Dresdener Semmel, will ich besingen,
wie du so prächtig und pausbäckig forderst die Freßsucht,
doch kommst du, sag an, aus Elysiums Konsum,
hat vom volkseigenen Backblech geschabt dich der Bäcker Nopper,
stammst du aus Wachendorfs gemütvoll bemehltem Geschäfte,
Walthers oder Bäcker Georges frühmorgendlich mürrischen Körben?
Doch wie, o sprich, du teigiges Dresdner Ereignis,
soll dich nennen des Sängers gierig-gefräßiger Mund,
der mit lechzenden Lippen lüsternes Lied dir verfertigt?
Stolz und elastisch wie … Mädchenbrüste? Lockst du zum Kosten,
aber ist es ein Kosten nur, was du gewähren
mir sollst, wo doch der Sänger in dich
wie ein hungriger Hund seine Zähne will graben,
um mit tierischem Schlunde und heulend fette Fetzen
aus deinen fantastischen Flanken zu reißen –O! Wie!
Wie nur nenne ich dich, du gebackene Bratsche,
Gummigaumen, Dampfdattel, Dresdner Dudelsack,
kunstgeküßte Knuddelkuppel, wie nur, stumme Dulderin
höllischer Hitze, du Meisterstück des sächsischen Genius‘,
o Semmel?“

Der sehr interessante Hinweis einer Teilnehmerin des Literaturkreises Göggingen auf Uwe Tellkamps Lobgesang auf die Dresdener Semmel beim „Frieh-stick“ im Tausendaugenhaus auf dem „Turm“ reizt zu weiteren Recherchen. Der erhabene Ton des Gedichts und die „pathetische Geste“, mit der Meno Rohde die Semmel lobpreist, lässt den Leser an den feierlichen Ton der antiken Ode denken.
Die Ode war in der Antike eine Sammelbezeichnung für die sangbare strophische Dichtung. Man unterscheidet dabei vier verschiedene antike Odenformen, die nach ihren antiken Vertretern benannt sind. So spricht man von der älkäischen, der sapphischen, der asklepiadeischen oder der archilochischen Ode. Alle weisen eine Grundeinheit von vierversigen Strophen mit unterschiedlich langen Versen auf.
Ein berühmter deutscher Odendichter war Klopstock. Seiner Ode „Zürchersee“ liegt die asklepiadeische Odenstrophe zugrunde. Sie besteht aus zwei Zwölfsilbern, einem Sieben- und einem Achtsilber.

Schön ist, Mutter Natur, deiner Erfindung Pracht
Auf die Fluren verstreut, schöne ein froh Gesicht,
Das den großen Gedanken
Deiner Schöpfung noch einmal denkt.

Gerade der feierlich-pathetische Ton dieser Ode kommt einen in den Sinn bei Tellkamps Ausruf
„Dich, o voll/blü-ti-ge/Dres-de-ner/Sem-mel/will ich be-/sin-gen,
Wie du so/präch-tig und/paus/bä-ckig/for-derst die/Fress-sucht.“ (S.91)
Allerdings ergibt sich aus der genaueren Untersuchung des Versmaßes in Tellkamps Gedicht keine exakte Übereinstimmung mit einer der antiken Odenstrophen. Bei der Gestaltung der Verse wurde aber durchaus auf ein antikes Versmaß zurückgegriffen. Bei der metrischen Analyse erkennt man, dass es sich um einen Hexameter handelt. Da dieser regelmäßg alle Verse durchzieht, kann man von einem sog. stichischen Versmaß sprechen, wie er im griechischen Epos anzutreffen ist.
Der Hexameter ist ein antiker Vers aus sechs Daktylen mit einer Zäsur nach der 3. Hebung, die dadurch besonders betont wird. Im ersten Vers ist dies bei „Dres-„ der Fall. Ebenso kann einer der Daktylen durch einen sog. Spondeus ersetzt werden, einem Versfuß aus zwei Längen: —- —-. Das ist im zitierten Vers bei „Sem-mel“ der Fall. Damit wird hier insgesamt die personifizierte „Dresdener Semmel“ besonders betont. Im zweiten Vers wird dadurch das „pausbäckige“ Erscheinungsbild der Semmel hervorgehoben. Durchzieht ein Hexameter regelmäßig alle Verse, spricht man von einem sog. stichischen Versmaß, wie es im griechischen Epos anzutreffen ist. In Ansätzen ist dies nun auch hier der Fall, allerdings wird diese ganz strenge Form auch immer wieder durch leichte Variationen des Hexameters aufgelockert.

Nun genug der theoretischen Überlegungen zur antiken Dichtkunst. In jedem Fall ist Tellkampfs parodistischer Lobgesang auf die personifizierte und durch Alliterationen geschmückte Dresdner „kunstgeküßte Knuddelkuppel“ ein echter literarischer Schatz.
Viel Spaß beim Lesen!

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Vorschau Juli 2013

11. Juli  capus

Alex Capus, Eine Frage der Zeit 

Drei Männer transportieren für Kaiser Wilhelm ein Dampfschiff in Einzelteilen nach Afrika, um es am Tanganikasee zusammenzubauen……. (Klappentext) 

Alex Capus erzählt mit freundlicher Ironie eine groteske Kolonialgeschichte voll desillusionierter Helden.

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