Monatsarchiv: August 2013

Leseempfehlungen

zu Alex Capus‘ Roman „Eine Frage der Zeit“ hier noch zwei Leseempfehlungen von Ellen Mann:

Gerhard Seyfried: „Herero“, erschienen 2004, aktuell vergriffen, aber über Amazon gebraucht zu erhalten.

Es erzählt die Geschichte des jungen Kartographen Carl Ettmann, der 1903 nach Deutsch-Südwestafrika kommt und mit der Fotografin Cecilie umherreist und zwischen die Fronten während des Herero-Aufstandes gegen die deutschen Schutztruppen gerät. Er zeichnet auf, wie die Deutschen blutig den Aufstand der Eingeborenen niederschlagen und sie vernichten.

 Sarah Paulus + Rolf Wackenberg:“Von GOETZEN bis LIEMBA“ mit einem Vorwort von Alex Capus, artissage – Verlag 2013.

Eine aktuelle Reportage über das Schiff „Götzen“, das jetzt als „Liemba“ 100 Jahre nach seiner Ankunft auf dem Tanganjikasee immer noch in Betrieb ist, mit zahlreichen Fotos.

 und natürlich von Uwe Timm „Morenga“…

 

 

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Rückschau zu Alex Capus, Eine Frage der Zeit

„Eine Frage der Zeit“   

 von Alex Capus  (www.alexcapus.de)

Buchvorschlag: Ellen Mann

Nachlese: Petra Franek

13 Lesebegeisterte trafen sich zu einer Premiere und einem Geburtstag: Zum ersten Mal setzte sich der Literaturkreis mit einem weiteren Buch desselben Autors auseinander. Denn: Beim ersten Treffen am 30.Juni 2011 beschäftigte sich die Runde mit „Leon und Louise“ von dem Schweizer Schriftsteller Alex Capus.

Diesen herrlichen warmen Juliabend stand bei geöffnetem Fenster im roten Salon der Stadtteilbücherei  Göggingen der historische Abenteuerroman „Eine Frage der Zeit“ von Alex Capus zur Diskussion.

Während des anregenden Austauschs über das Buch wurde u.a. festgestellt, dass die  fünf „Hauptpersonen” tatsächlich existierten. Diese Art von „literatisierter Geschichte“ faszinierte insbesondere eine anwesende Historikerin.

 Das Buch beginnt mit dem Ende. Der Papenburger Schiffsbaumeister Anton Rüter schleppt sich, von Moskitos zerstochen, zu Tode erschöpft und fast verhungert durch das über-schwemmte Grasland Ostafrikas. Alex Capus lässt offen, wie es weitergeht und ob Anton Rüter sein Leben retten kann. Dafür erzählt er die spannende Vorgeschichte:

1913 entschied Kaiser Wilhelm, die Kolonie Deutsch-Ostafrika in Anbetracht der zunehmenden internationalen Spannungen aufzurüsten. Bei der Papenburger Mayr Werft bestellte er ein modernes Dampfschiff, das dort jedoch nicht vom Stapel gelassen werden sollte. Zur selben Zeit hatten die Briten eine ähnliche Idee. Das Schiff – heutzutage unter dem Namen „Liemba“noch immer aktiv – feiert demzufolge dieses Jahr seinen Hundertsten Geburtstag (http://de.wikipedia.org/wiki/Liemba_%28Schiff%29).

Die fünf „Hauptpersonen“

„Die Götzen“ sollte nicht zu Wasser gelassen, sondern gleich wieder zerlegt werden, um nach Deutsch – Ostafrika transportiert zu werden. In 5000 Holzkisten verpackt, auf vier Überseedampfer verladen und mit der Eisenbahn weiter transportiert musste das „Endziel“ von Dar es Salaam nach Kigoma, an den Tanganyikasee zu Fuß bewältigt werden.„Der Dampfer – sollte auf dem 700 Kilometer langen Gewässer die Seehoheit gegenüber den angrenzenden Kolonialmächten Belgien und Grossbritannien behaupten“, berichtete eine Leserin. Dabei fragte sich mancher Leser „Ein Fall von Größenwahnsinn ?

Capus beschreibt in einem Erzählstrang des Buches die Erlebnisse dreier deutscher Handwerker und in der Parallelhandlung das Leben des britischen Leutnant Geoffrey Spicer Simson.

Anton Rüter, der Kaiser Wilhelm Bart tragende dreißigjährige Schiffsbaumeister und Vater von drei Kindern, geht vollkommen in seiner Arbeit auf. Rudolf Tellmann, der in sich gekehrte Nieter ist ebenfalls verheiratet und Vater von vier halbwüchsigen Kindern. Hermann Wendt, mit 23 Jahren der Jüngste im Trio zieht es – ebenso wie anscheinend Alex Capus – zu den Idealen des Sozialismus hin. Wendt nimmt sich vor den einheimischen Schwarzen brüderlich zu begegnen.

Der fünffache Familienvater Alex Capus, der Ende 2009 zum Präsidenten der Sozialdemokratischen Partei Oltens gewählt wurde, lebt dort mit Frau und Kindern. Nach rund zwei Jahren trat er von diesem Amt aus familiären Gründen (www.nbt.ch/artikel_33483.html) zurück.

„Seinen drei deutschen Männern“ wurde 1913 ein guter Verdienst für ihren Einsatz in Afrika und eine baldige Rückkehr nach Deutschland versprochen. Sie wollten nach ihrem Abenteuer für ihre Familien ein Häuschen in Papenburg bauen.

 Der britische Leutnant Spicer-Simson, erzeugte bei vielen Lesern ein Lachen, da er ein eitler, flunkender Geck”(S.70)„sehnsüchtig eine Wende in seinem Leben “(S.66) erwartet.  Er ist die farbigste und kurioseste Gestalt. Sein historisches Vorbild wird in den Quellen als «typisch exzentrischer Engländer» geschildert, der auch am Endpunkt der Zivilisation auf seinem regelmäßigen Bad besteht, jeweils mittwochs und samstags um 15.45 Uhr in einer eigens mitgeführten Faltbadewanne aus Segeltuch. Vorher entkleidete er sich vor den Augen der staunenden Schwarzen vollständig und ließ seine Tätowierungen spielen. Bei den Lesern herrschte Einigkeit darüber, dass Capus äußerst unterhaltsam mit dem Reiz der Figur spielt. Bewundernswert fand eine Leserin, dass Spicer Simson oft ins Fettnäpfchen tritt, jedoch in Momenten der Gefahr durch eine „unerschütterliche Ruhe“ glänzt.

Capus Stil

Aus den Parallelaktionen, gewinnt Capus die Struktur seines Buches. Deutsche und englische Schausplätze wechseln sich kapitelweise ab.

Die bisweilen auffällige Aneinanderreihung von Adjektiven mit Substantiven wie „niedrig grauem Himmel“( S.11), „lächerlich sadistischen Erfindungsreichtum“( S.15) oder

„wattige Stille, angenehme Kühle und ein angenehmes Zwielicht“(S.154) fand eine Leserin „auffällig“ und dadurch „ein bisschen langweilig“.

Währenddessen begeisterte sich eine andere Dame „von dem Rhythmus der Sprache“.

 Resümee:

 –          Auf alle Fälle bürgt der historische Abenteuerroman  „Eine Frage der Zeit“ für „fesselnde Unterhaltung“.

–         Ein bereichender und erfüllender Abend, der wieder einmal zeigte, wie viele Gefühle, Informationen und Freude die gemeinsame Auseinandersetzung mit einem Buch bietet.


 Weiterführende Literatur:

Graichen Gisela. Gründer Horst. DEUTSCHE KOLONIEN. Augsburg 1992

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Vorschau September – November 13

12. September   Sybille Lewitscharoff,  Apostoloff

Zwei Schwestern auf der Reise durch Bulgarien, der Heimat ihres lang verstorbenen Vaters. Von der Rückbank des klapprigen Autos kommentiert die jüngere der beiden scharfzüngig Gegenwart und Vergangenheit, bitterböse und mit virtuosem Sprachwitz.

Gibt es auch als audio-book, gelesen von der Autorin.

                         10. Oktober        Bruni Prasske, Immer noch träume ich von Deutschland. Reise in ein Leben zwischen Deutschland und Vietnam 

Eigentlich sucht Bruni Prasske nur einen ortskundigen Stadtführer in Saigon. Doch stattdessen trifft sie Dien, den Rollstuhlfahrer mit dem Jackie-Chan-Charme, dem umwerfenden Lächeln – und den perfekten Deutschkenntnissen! Sein Schicksal als vietnamesisches Kriegskind, das in Hamburg aufwuchs und nach Jahren zurückmusste in eine Heimat, die keine mehr war, lässt sie nicht mehr los. Die beiden beschließen gemeinsam zu reisen: Es ist ein abenteuerlicher Trip, und die beiden ungleichen Weggefährten kommen sich näher … (Klappentext)

Das Buch ist 2011 unter dem Titel „Heimat ist ein fremdes Land“ als Taschenbuch erschienen

 

vanderbeke14. November     Birgit Vanderbeke, Das lässt sich ändern

Die Botschaft in Birgit Vanderbekes Roman  „Das lässt sich ändern“ ist so simpel wie optimistisch: Wenn man nur will und sich traut, ist alles möglich! Die Autorin entwirft in lakonischem Erzählton den Traum von einem besseren Leben, der ansteckend wirkt.  (Manuela Reichart, deutschlandradio kultur)

 

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