Monatsarchiv: Juli 2015

Neue Bücher für den Herbst

Hier die drei kommenden Titel, über die in denen im letzten Quartal des Jahres 2015 im Gögginger Literaturkreis disktuiert werden wird:

 

8.10.2015: Ursula Krechel – Landgericht

Landgericht von Ursula Krechel

Landgericht von Ursula Krechel

Richard Kornitzer ist Richter von Beruf und ein Charakter von Kohlhaas’schen Dimensionen. Die Nazizeit mit ihren absurden und tödlichen Regeln zieht sich als Riss durch sein Leben. Danach ist nichts mehr wie vorher, die kleine Familie zwischen dem Bodensee, Mainz und England versprengt, und die Heimat beinahe fremder als das in magisches Licht getauchte Exil in Havanna. Mit sprachlicher Behutsamkeit und einer insistierenden Zuneigung lässt »Landgericht« den Figuren späte Gerechtigkeit widerfahren. »Landgericht«, der Roman mit dem doppeldeutigen Titel, handelt von einer deutschen Familie, und er erzählt zugleich mit großer Wucht von den Gründungsjahren einer Republik.

 

 

12.11.2015: Josef Bierbichler – Mittelreich

MittelreichEine Seewirtschaft in Bayern, bizarre Gäste und eine Familie über drei Generationen, heillos verstrickt ins ungeliebte Erbe. Josef Bierbichler, der große Menschendarsteller des deutschen Theaters und Films, erzählt hundert Jahre Deutschland. Ein Epos über Krieg und Zerstörung, alte Macht und neuen Wohlstand, über die vermeintlich fetten Jahre.

Im Ersten Weltkrieg zerschlägt eine feindliche Kugel zuerst den Stahlhelm und dann den Schädel des ältesten Sohnes vom Seewirt. Also muss sein jüngerer
Bruder Pankraz das väterliche Erbe antreten. Der überlebt zwar den zweiten großen Krieg, wäre aber trotzdem lieber Künstler als Bauer und Gastwirt geworden. Da braucht es schon einen Jahrhundertsturm, der droht, Haus und Hof in den See zu blasen, damit aus Pankraz doch noch ein brauchbarer Unternehmer und Familienvater wird.

 

10.12.2015: Alain Claude Sulzer – Aus den Fugen

Galiani Sulzer Druck.inddDie plötzliche Stille ist lauter als ein Paukenschlag: Mitten in einer atemberaubenden Interpretation der Hammerklaviersonate bricht der international gefeierte Starpianist Marek Olsberg abrupt sein Spiel ab. Mit den Worten »Das war’s« schließt er den Klavierdeckel und verlässt den Saal.
Olsbergs unvorhergesehene Tat wird allerdings nicht nur sein eigenes Leben in neue Bahnen lenken. Er ist eine von vielen Hauptfiguren in Alain Claude Sulzers neuem Roman. Da ist z. B. Olsbergs Agent, der sich mit seinem neuen Freund schon auf dem Weg zur Philharmonie in die Haare bekommt. Da ist Sophie, die erst während des Konzerts begreift, dass ihre letzte Liebe inzwischen mit ihrer Nichte Klara angebändelt hat, und die sich deswegen ein Gläschen zu viel gönnt. Da ist Esther, die ihre frisch geschiedene Freundin mit dem Olsberg-Konzert aufmuntern will und die bei der außerplanmäßig frühen Rückkehr vom Konzert bemerken muss, dass ihr Mann nicht daheim ist. Dafür aber sein Handy mit einer befremdlichen Nachricht seiner Assistentin Sabine …

 

 

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Nachbetrachtung: Vladimir Sorokin – Der Schneesturm

Inmitten der heißen Juli-Temperaturen trafen sich die Mitglieder des Literaturkreises Göggingen um sich diesmal einem russischen Roman zu widmen: „Der Schneesturm“ des bekannten russischen Autors Vladimir Sorokin war Thema und wollte besprochen werden.

Leider ließsorokin die meisten Teilnehmer die Lektüre des Buchs im Sommer leider kalt, wie schnell konstatiert wurde. Bereits die Einordnung des Romans in eine Schublade wollte nicht so richtig gelingen: Science-Fiction? Steampunk? Fantastischer Realismus? „Der Schneesturm“ ist sperrig, was Inhalt und Form angeht.

Obwohl das Buch recht behaglich mit der Reise eines Doktors beginnt, der einen Impfstoff in ein Dorf bringen will, tauchen schon bald nicht ganz passende Elemente wie hochtechnologisierte Stämme, Wunderdrogen und Riesen auf. Wer einen zweiten „Doktor Schiwago“ erwartete sah sich rasch getäuscht. Der Roman Sorokins soll das russische Regime und die russische Herrschaft karikieren, allerdings konnten die TeilnehmerInnen des Literaturkreises die Metaebenen des Romans nicht entschlüsseln. Wofür steht der Riese im Buch? Wer ist der mysteriöse Doktor?

Das Buch hinterlässt mehr Fragen als dass es sie löst. Ein Schlüsselroman, bei dem den Schlüssel nicht ins metaphorische Schloss passte. Das fehlende Hintergrundwissen erschwerte somit die Lektüre des kurzen Buches – für Russlandkenner erschließt sich dieser Titel höchstwahrscheinlich eher als für den „normalen“ Leser.

 

Der nächste Literaturkreis findet erst im Oktober statt. Thema dort wird der mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnete Roman „Landgericht“ von Ursula Krechel sein.

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