Archiv der Kategorie: Uncategorized

Lesekreisbücher Juni-September

Hier die neuen Bücher des Literaturkreises Göggingen, die in den Monaten Juni 2016 bis September 2016 besprochen werden:

2.06.2016

Roger Willemsen – Der Knacks

KnacksRoger Willemsen erkennt den „Knacks“ in der Landschaft und unseren Städten, in Armut und Obdachlosigkeit, im 11. September und dem Lager von Guantánamo. Der Knacks ist in der Welt, aber der Knacks ist auch in uns – in unserem Scheitern so sehr wie in unseren vermeintlichen Siegen.
Ausgehend von der sehr persönlichen Erinnerung an den Tod seines Vaters, diagnostiziert Willemsen den Knacks, mit dem wir die Kindheit verlassen, und den, den uns die Liebe zufügt. Der Knacks ereilt Helden und Verlierer, Paare und Einzelgänger, der Knacks ereilt uns, beim Gang durch die Zeit: Wann wurde man nicht, was man hätte sein können? Wie sollten wir all das kennen, was wir haben, bevor wir es verlieren? Sind wir überhaupt noch anwesend in unserem Leben, und warum sitzt selbst im Glück der Knacks?
So betrachtet ist der Knacks weniger der harte Bruch im Leben als der unmerkliche Übergang. Immer und überall geht er vonstatten, in uns und um uns herum: eine Farbveränderung ins Dunkle, ein Abfallen der Temperatur, ein Wechsel von Dur zu Moll. Es kann der Einzug der Enttäuschung sein oder des Alters, der Moment, in dem etwas an sein Ende gelangt und sich am Horizont zum ersten Mal der Tod zeigt. Nicht wie ein Sprung markiert dieser Knacks sein Objekt, sondern wie die Risse in der Oberfläche eines alten Bilds.

 

 

 

14.07.2016

Dave Eggers – Der Circle

CircleHuxleys Schöne neue Welt reloaded: Die 24-jährige Mae Holland ist überglücklich. Sie hat einen Job ergattert in der hippsten Firma der Welt, beim »Circle«, einem freundlichen Internetkonzern mit Sitz in Kalifornien, der die Geschäftsfelder von Google, Apple, Facebook und Twitter geschluckt hat, indem er alle Kunden mit einer einzigen Internetidentität ausstattet, über die einfach alles abgewickelt werden kann. Mit dem Wegfall der Anonymität im Netz – so ein Ziel der »drei Weisen«, die den Konzern leiten – wird es keinen Schmutz mehr geben im Internet und auch keine Kriminalität. Mae stürzt sich voller Begeisterung in diese schöne neue Welt mit ihren lichtdurchfluteten Büros und High-Class-Restaurants, wo Sterneköche kostenlose Mahlzeiten für die Mitarbeiter kreieren, wo internationale Popstars Gratis-Konzerte geben und fast jeden Abend coole Partys gefeiert werden. Sie wird zur Vorzeigemitarbeiterin und treibt den Wahn, alles müsse transparent sein, auf die Spitze. Doch eine Begegnung mit einem mysteriösen Kollegen ändert alles …

 

 

 

 

11.08.2016

Petra Morsbach – Opernroman

Opernroman von Petra MorsbachHöhen und Tiefen gehören in der Oper zum künstlerischen Alltag. Dass in der Welt des Musiktheaters wie sonst nirgendwo Triumph und Niederlage nahe beieinander liegen, erzählt Petra Morsbach in diesem hochgelobten Roman über das Leben von Opernkünstlern — von der Diva bis zum Beleuchter, vom Korrepetitor bis zum Intendanten. Ort der Handlung: Das Theater in Neustadt, eine Provinzbühne mit großem Opernrepertoire. Hinter den Kulissen geht es mindestens so dramatisch zu wie auf der Bühne. Da opfern die einen für die Kunst ihr Leben, während andere die Kunst skrupellos in den Dienst ihrer Karriere stellen. Hier wird intensiver gelebt, aber auch intensiver gelitten als anderswo. Die Oper ist ein Ort der Extreme.

 

8.09.2016

Pascal Mercier – Lea

Lea von Pascal MercierDie achtjährige Lea hat sich nach dem Tod der Mutter in eine eigene Welt zurückgezogen, zu der auch der Vater keinen Zutritt hat. Erst der Klang einer Geige holt sie ins Leben zurück. Lea erweist sich als außerordentliche musikalische Begabung, und schon bald liegen ihr Publikum und Musikwelt zu Füßen. Doch während Lea von Erfolg zu Erfolg eilt, treibt es ihren anfangs überglücklichen Vater Martijn van Vliet immer tiefer in die Einsamkeit. Bei dem verzweifelten Versuch, die Liebe und Nähe seiner Tochter zurückzugewinnen, verstrickt er sich in ein Verbrechen, das alles verändert …

 

 

 

 

 

 

 

Beginn des Literaturkreises in der Stadtteilbücherei Göggingen wie gewohnt: 19:30 Uhr

Werbeanzeigen

Kommentare deaktiviert für Lesekreisbücher Juni-September

Eingeordnet unter Uncategorized

Amy Waldman – Der amerikanische Architekt

Am 14.04.2016 traf sich der Gögginger Literaturkreis wieder, um das Buch Der amerikanische Architekt von Amy Waldman zu diskutieren. Inhaltlich dreht sich das Buch um die Frage, ob ein muslimischer Architekt ein Denkmal für die Opfer des 11. September errichten darf. Über diese Frage entbrennt im Buch ein Streit, der auch die TeilnehmerInnen des Literaturkreises nicht kaltließ.

Die wechselnden Perspektiven, die genau getroffene amerikanische Paranoia – Waldman gelingt mit ihrem Buch eine breite Diskussion über Werte, Glauben, Trauer und den Umgang mit Glauben und Identität. Auch waren sich die TeilnehmerInnen einig, dass eine derartige Debatte auch in unserem Kulturkreis möglich wäre, ohne sich zu sehr auf Amerika zu zentrieren.

 

Im kommenden Literaturkreis am 12.05.2016 geht es dann um 19:30 um den preisgekrönten Roman Pfaueninsel von Thomas Hettche.

 

Kommentare deaktiviert für Amy Waldman – Der amerikanische Architekt

Eingeordnet unter Uncategorized

Nachbetrachtung Literaturkreis Oktober „Landgericht“

Frisch zurück aus der Sommerpause startete im Oktober der Literaturkreis wieder mit großer Besetzung (15 Diskutantinnen stellten sich dem Buch) und widmeten sich kurz nach der Bekanntgabe des aktuellen Gewinners des Deutschen Buchpreises dem Siegertitel drei Jahre zuvor – Ursula Krechels „Landgericht“.

Landgericht von Ursula Krechel

Landgericht von Ursula Krechel

Darin schildert sie die Lebensgeschichte des jüdischen Richters Richard Kornitzer, der 1933 vor den Nazis ins Exil nach Kuba flieht, seine Kinder in England und seine Frau in Deutschland zurücklassen muss. 1945 kehrt er aus Kuba ins zerstörte Deutschland zurück, wo er von Lindau aus nach Mainz gelangt. Dort bezieht er mit seiner Frau eine Wohnung und wirkt bei der Entnazifizierung mit. Doch mit Fortschreiten der Zeit wird er immer verzweifelter in seinem Wunsch, der Gerechtigkeit Genüge zu tun. In nahezu Kohlhaas’sche Dimension gleitet das Buch zum Ende hin ab, auch wenn es der zunehmend aktenlastige Stil zum Ende hin einigen LeserInnen schwer machte.

Dennoch ein berührendes und sprachlich anspruchsvolles Stück über eine verwundete Seele, die nahezu hilflos in ihren Entscheidungen wirkte. Der Roman warf einige breit diskutierte Fragen auf, die sich auch nicht endgültig beantworten lassen: Sind Werte wirklich bezifferbar? Kann man im juristischen Sinne erlittenes Leid aufwiegen? Hätte eine gelungene Familienzusammenführung in Kornitzers Fall eigentlich geschehen können?

Fragen, die zum Nachdenken anregen und die das Unternehmen Wiederaufbau neu beleuchten.

 

Der nächste Literaturkreis findet am 12.11.2015 um 19:30 statt. Dann wird der Roman „Mittelreich“ des Schauspielers Josef Bierbichler gelesen. Herzliche Einladung!

Kommentare deaktiviert für Nachbetrachtung Literaturkreis Oktober „Landgericht“

Eingeordnet unter Uncategorized

Nachbetrachtung: Vladimir Sorokin – Der Schneesturm

Inmitten der heißen Juli-Temperaturen trafen sich die Mitglieder des Literaturkreises Göggingen um sich diesmal einem russischen Roman zu widmen: „Der Schneesturm“ des bekannten russischen Autors Vladimir Sorokin war Thema und wollte besprochen werden.

Leider ließsorokin die meisten Teilnehmer die Lektüre des Buchs im Sommer leider kalt, wie schnell konstatiert wurde. Bereits die Einordnung des Romans in eine Schublade wollte nicht so richtig gelingen: Science-Fiction? Steampunk? Fantastischer Realismus? „Der Schneesturm“ ist sperrig, was Inhalt und Form angeht.

Obwohl das Buch recht behaglich mit der Reise eines Doktors beginnt, der einen Impfstoff in ein Dorf bringen will, tauchen schon bald nicht ganz passende Elemente wie hochtechnologisierte Stämme, Wunderdrogen und Riesen auf. Wer einen zweiten „Doktor Schiwago“ erwartete sah sich rasch getäuscht. Der Roman Sorokins soll das russische Regime und die russische Herrschaft karikieren, allerdings konnten die TeilnehmerInnen des Literaturkreises die Metaebenen des Romans nicht entschlüsseln. Wofür steht der Riese im Buch? Wer ist der mysteriöse Doktor?

Das Buch hinterlässt mehr Fragen als dass es sie löst. Ein Schlüsselroman, bei dem den Schlüssel nicht ins metaphorische Schloss passte. Das fehlende Hintergrundwissen erschwerte somit die Lektüre des kurzen Buches – für Russlandkenner erschließt sich dieser Titel höchstwahrscheinlich eher als für den „normalen“ Leser.

 

Der nächste Literaturkreis findet erst im Oktober statt. Thema dort wird der mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnete Roman „Landgericht“ von Ursula Krechel sein.

Kommentare deaktiviert für Nachbetrachtung: Vladimir Sorokin – Der Schneesturm

Eingeordnet unter Uncategorized

Daniel Kehlmann – F

Im Juni traf sich der monatliche Literaturkreis Göggingen um sich diesmal mit einer Familie zu beschäftigten, in der auch mehr Schein als Sein herrscht. Nach dem bereits im Gögginger Literaturkreis besprochenen „Ruhm“ widmete sich die Runde nun dem neuesten Streich des österreichischen Autoren.

Der RoKehlmannman dreht sich um die drei Brüder Friedländer und deren Vater Arthur, die allesamt ihre Geheimnisse hüten. „Ein Buch über Täuschungen“, „Wahrheit & Lüge“ oder auch „Ein Buch über Märkte (Kunstmarkt, Geldmarkt, Religiöser Markt etc.)“ waren Bezeichnungen, die in der Diskussion fielen. Die teils vernichtenden Kritiken der Zeitungen (lediglich eine Fingerübung sei der Roman) wurden so von den Teilnehmern des Literaturkreises nicht geteilt. Die Figuren sind allesamt ambivalent und weisen ganz eigene Abgründe auf. Besonders gefiel dem Kreis auch die kunstvolle Verwebung von Motiven und scheinbar nebensächlichen Details, die dann im Laufe des Buchs teilweise tiefere Bedeutung erhielten. Ein Buch, das zum Wiederlesen einlädt und das von den TeilnehmerInnen des Literaturkreises gelobt wurde!

Kommentare deaktiviert für Daniel Kehlmann – F

Eingeordnet unter Uncategorized

John Williams – Stoner

Am Abend des 09. April 2015 trafen sich die Teilnehmer des Gögginger Literaturkreises wieder einmal in trauter Runder (mit einer erfreulich hohen Teilnehmerzahl), um sich diesmal dem wiederentdeckten Werk „Stoner“ des amerikanischen Autoren John Williams zu widmen.

Große Einigkeit herrschte über die Qualität des Buches, die es schafft das eigentlich unspektakuläre Leben eines Geisteswissenschaftlers in großartige Prosa zu überführen. Obwohl in William Stoners Leben nicht allzu viel passiert, verfolgt man doch gebannt das Schicksal dieses einfachen Mannes, der vom Bauernsohn bis zum Professor an der Universität aufsteigt, sein Glück aber auch wieder verliert.

Die Lebensbilanz dieses Mannes ließ die Teilnehmer und Teilnehmerinnen darüber diskutieren, was eigentlich ein gutes Leben ausmacht – oder wie es William Stoner formuliert hätte: „Was hast du von deinem Leben erwartet?“. Hierbei zeigte sich auch, wie unterschiedlich der John Williams geschilderte Lebensentwurf von den LeserInnen bewertet wurde. DIe spannende Diskussion kreiste um die Themen Leben, Erwartungen und Schicksalsergebenheit.

In großer Einigkeit wurde dieser Roman von der Runde gelobt. Dementsprechend hoch sind die Erwartungenen an den im Mai zu diskutierenden Titel „Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war“ von Burgschauspieler Joachim Meyerhoff.

Der nächste Literaturkreis findet am 7.Mai um 19:30 in den Räumen der Stadtteilbücherei Göggingen statt.

Kommentare deaktiviert für John Williams – Stoner

Eingeordnet unter Uncategorized

David Wagner „Leben“

Eine kleine Gruppe von DiskutantInnen traf sich am Abend des 11. Dezember in den Räumen des Alten Rathauses, um sich beim letzten Literaturkreis des Jahres 2014 dem Roman „Leben“ von David Wagner zu widmen.

Wobei die Bezeichnung „Roman“ für dieses mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnete Buch in der Runde angezweifelt wurde. Denn das Buch oszilliert zwischen den Polen Roman und Biographie. Inhaltlich verarbeitet der Berliner Autor darin seine Lebertransplantation, die ihm ein neues Leben ermöglichte. Vielstimmig erzählt er von den Phasen, die er durchlitt und variiert den Erzählduktus genauso wie seine Stimmungen, die sich immer wieder änderten.

Kritisch hinterfragt wurde von der Runde die Aussparung einiger Teile des Privatlebens: Womit verdient der Autor sein Geld? Welchen Hobbies geht er nach? Der Roman richtet seinen Fokus ganz auf die Krankheit und den Heilungsprozess.

Positiv hervorgehoben wurde die Gestaltung des Buches, die auch optisch die Zäsur von altem und neuem Leben deutlich macht. In der Runde schnitt das Buch hervorragend ab und es entfaltete sich eine lebendige Diskussion, die zeigte, wie unterschiedlich man das Buch lesen kann. Die Erzählperspektive gefiel genauso wie die Tatsache, dass das Buch ein schwieriges Thema anschneidet, ohne den Leser zu sehr zu belasten. Der meditative Grundton, der sehr konzentriert das Leiden und Leben beleuchtet, gefiel in der Runde.  Eine Diskutatin brachte es mit dem Schlagwort „Wahnsinnsbuch“ auf den Punkt.

Einige Teilnehmer brachte das Buch sogar zum Nachdenken über das eigene Leben und Themen wie etwa eine Organspende. Und mehr kann ein Buch kaum schaffen, wenn es den Leser zum Nachdenken über das eigene Leben anregt. Ein Buch – Über-Leben – und Lesen!

U1_978-3-498-07371-8.indd

Kommentare deaktiviert für David Wagner „Leben“

Eingeordnet unter Uncategorized